| Kirchengeschichte | |
10.1 Frühes Christentum
A. Bastarhuu beschreibt, wie die Mongolen schon über Jahrhunderte eine bedeutsame Berührung mit dem Christentum hatten. Der Hsian-fu-Stein, eine Granitplatte von ca. 3m Höhe, um 1625 in Xian, China aufgestellt, hält fest, daß das Christentum in Zentralasien durch einen Botschafter der Östlichen Kirche, Alopen, in 635 angekommen war. Entlang der Handelswege fand eine beachtliche Ausdehnung des Christentums in Zentralasien statt. Nachdem die Mongolen im 13. Jh. zur Macht kamen, dienten Christen aus allen eroberten Stämmen am Hof der großen Khans, von Chinggis bis Kublai.
Das Christentum in der Geschichte der Mongolen kann grob in vier Perioden aufgeteilt werden:
a) Die Zeit des Kontakts: Von der Zeit, als Alopen ankam, bis zur Zeit Chinggis Khans (7.–12.Jh.) wurde das Östliche Christentum entlang der Handelswege und allen Verzweigungen der Seidenstraße befestigt. Durch die Zielstrebigkeit der Nestorianer wurden mindestens vier Mongolische Stämme christianisiert, darunter auch der Kiut (Keriat) Stamm. Dieser kam dann in besondere Berührungen mit den erobernden Mongolen. Kiuts 'Bürokraten' waren alphabetisiert und verwalteten das mongolische Reich und Kiut Prinzessin wurden mit Chinggis' Linie verheiratet. Auch die Mutter Chinggis Khan kam aus dem Kiut Stamm und war Christin.
b) Die Zeit der Diplomatie: Es ist also verständlich, daß die großen Khane die in der Zeit von 1206 bis 1294 regierten, tolerant mit dem Christentum verfuhren. Tatsächlich gab es in allen ihren Hauptstädten christliche Kirchen, und die Christen konnten sich frei im riesigen Weltreich bewegen. Als Kublai Khan 1260 das mongolische Reich regierte traf dieser einen Tibetischen Mönch, den er später mit der Verwaltung aller religiösen Einrichtungen im Reich beauftragte. Marco Polo, der Kublais Hof 1280 besuchte, berichtet, daß die Tibeter ihre magischen Kräfte benutzten um ihr Ansehen bei den Mongolen zu erhalten. Noch immer waren die Mongolen aus der Sicht der Chinesen als Christen abgetan. Gesandte des Papstes, hauptsächlich vom Franziskaner Orden, pendelten zwischen Europa und dem mongolischen Asien, manchmal mit politischen, manchmal mit evangelistischen Zielen. John von Montecorvino lebte 30 Jahre im heutigen Peking wo er um 1310 das Neue Testament und die Psalm ins Mongolische übersetzte.
Die große Möglichkeit war jedoch schon 1266, als Kublai Kahn die beiden Onkel Marco Polos mit einer Botschaft zurück nach Europa sandte, um den Papst für Folgendes zu ersuchen:
Sende mir einhundert Personen unseres Christlichen Glaubens ... die fähig sind den Götzenanbetern und anderen Völkern durch mächtige Argumente zu beweisen, daß die Gesetze Christi die besten sind, und daß alle anderen Religionen falsch und nichtig sind; und, wenn sie es beweisen könnten, (der Khan) und alle unter ihm Christen werden würden und der Kirche ergeben."
Als er dieses tat, war er der mächtigste Mann der Erde. Doch die Situation in Rom war ungünstig und so bewilligte der Papst dieses Gesuch erst drei Jahre später. Doch nur zwei dominikanische Mönche zogen mit der Polo Familie aus, wurden aber angesichts der Gefahren der Reise so ängstlich, daß sie umkehrten. Kublai Khan erhielt nie die erbetenen einhundert Missionare. Eine der größten Möglichkeiten der christlichen Kirche war unwiderruflich verloren. – Daraufhin entschied sich Kublai mit den tibetischen Mönchen die Fundamente der höheren Kultur unter den Mongolen zu legen: den tibetische Buddhismus.
Orth. Kirche in ethnog. Museum
c) Die Zeit der Verneinung: Politisch waren die Mongolen nach dem letzten Khan China unterworfen, was für die meisten mongolischen Stämmen von der Ming Dynastie (1368) bis zur letzten Revolte in 1911 in Urga (Ulan Bator) gegen die Manchurianer dauerte. Die Burjaten wurden allerdings schon in den dreißiger und vierzieger Jahren des 17.Jh. von den Russen unterworfen. Bis zur Zeit des Kommunismus waren die Burjaten wie auch andere Mongolenstämme hingegebene Buddhisten.
Mit den russischen Siedlern kam auch das orthodoxe Christentum zu den Burjaten. Es gab Anstrengungen, die Burjaten zum Christentum zu bekehren, doch waren diese wenig erfolgreich.
Im Osten kamen die Burjaten noch weniger mit dem Christentum in Berührung als westlich des Baikalsees. So ist zwar das 1727 gegründete Bistum Irkutsk das zweitälteste Sibiriens, doch die Christen waren fast ausschließlich Russen. Das Schicksal der Orthodoxen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg ist wenig bekannt. Sicher ist nur, daß es noch Kirchen in Ulan Ude und eine große Anzahl Gläubiger gibt. In den sechziger Jahren gab es in der Diözese Irkutsk in 33 Orten Gemeinden mit insgesamt 37 Kirchen.
10.2 Das Russische Religionsgesetz heute
In dem "Newsletter" einer schwedischen Mission wird berichtet, was das neue Religionsgesetz für Rußland und seine Gläubigen bedeutet: „Schon einmal hatte der russische Präsident sein Veto gegen das neue Religionsgesetzt eingelegt. Das hatte aber, abgesehen von einigen kleinen Anpassungen, kaum Auswirkungen. Im September 1997 wurde dieses neue Religionsgesetz verabschiedet, das von der Russisch Orthodoxe Kirche in Zusammenarbeit mit den Kommunisten der Duma initiiert wurde. Da sich die Orthodoxe Kirche wegen den vielen verschiedenen Sekten unterschiedlichster Religionen bedroht sieht, nennt sie alle Evangelikalen, außer der Lutherische Kirche, Sekten und toleriert deshalb auch keine evangelistischen Einsätze. Natürlich sucht sie ihre privilegierte Sonderstellung in Rußland und will so alle einheimische und ausländische Missionsarbeit eindämmen.
Dieses Religionsgesetz unterscheidet fünf verschiedene Gruppen von Religionen und Kirchen:
1. Die Russisch Orthodoxe Kirche.
2. Islam, Judentum, Buddhismus und andere Religionen wie z.B. Schamanismus.
- Diesen ersten beiden Gruppen bleiben alle Rechte, um zu bestehen und zu arbeiten. Sie werden als Teil des russischen Erbes und der Tradition angesehen.
3. Kirchen und religiöse Organisationen, die schon vor über 15 Jahren registriert wurden. Die Union der Pfingstler und die Eurasiatische Baptisten Gemeinschaft gehören zu dieser Gruppe.
- Solche können auch weiter bestehen und aktiv bleiben. Sie haben juristisches Recht, eigene Gebäude und Grundstücke zu erwerben.
4. Gemeinden und Organisationen, die registriert, aber jünger als 15 Jahre sind.
- Sie müssen sich weiterhin um ihre Registrierung bemühen, bis die 15 Jahre voll sind. Dafür müssen sie jedes Jahr Berichte über ihre Aktivitäten an die Behörden geben.
5. Gemeinden und Organisationen, die nicht registriert sind.
- Diese letzte Gruppe hat alle Rechte verloren. Weil sie keine Gebäude kaufen oder mieten dürfen, sind ihre Versammlungen stark eingeschränkt. Sie dürfen auch keinerlei religiöses Material publizieren.
Eine große Zahl von Gemeinden fällt gerade in diese zwei letzten Kategorien, da sie erst seit Anfang der 90er Jahren mit der Religionsfreiheit gegründet wurden. Daher suchen nun viele neue Gemeinden Mitgliedschaft z.B. in der Union der Pfingstler. - Wir wissen nicht, welche praktischen Auswirkungen dieses Gesetz noch haben wird. Mancherorts mag es Verfolgung geben, woanders könnte die Obrigkeit eine liberalere Einstellung zeigen.“
Bibliographie:
Michael Müller, Stefan Müller „Erben eines Weltreiches“
Die mongolischen Völker und Gebiete im 20. Jahrhundert.
1992, Verlag für Kultur und Wissenschaft, Dr. Th. SchirrmacherDavid G. Hathaway, "Why Siberia?"
1995, Euro Vision Publications, Dewsbury Yorkshire„Das neue Rußland“ Seine Völker und Staaten
1996, Stephanus Edition Verlags GmbH, Uhldingen„WOSTOCK“ Informationen aus dem Osten für den Westen
Redaktion: Pf.511008, 50946 Köln
Ausgabe: 4/92 und 5/94
„STERN“
Ausgabe: 41/93