Die Menschen

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Die jüngste Angabe über die Bevölkerung Chakassiens ist von 1995 und zählt ca. 585.000 Einwohner. Die Verstädterung beträgt ca. 71%. In der Hauptstadt Abakan wohnen ca. 130.000 Menschen, wovon nur ca. 5% Chakassen sind!

Nach der folgenden Tabelle teilen sich die Nationalitäten in den entsprechenden Gebieten auf:

 

In der ges. Republ.

In den Städten

Auf den Dörfern

Russen

79,5 %

85,5 %

63,6 %

Chakassen

11,1 %

5,4  %

25,8 %

Ukrainer

2,3 %

2,7 %

1,4 %

Deutsche

2,0 %

1,2 %

4,0 %

Andere

5,1 %

5,2 %

5,2 %

Ich habe immer wieder gehört, daß Leute mit Deutschen in Kontakt waren, doch ich möchte bezweifeln, daß diese in dieser großen Anzahl immer noch im Land wohnen.  

Die Bevölkerungsdichte ist entsprechend den schon oben beschriebenen Kreisen ("Das Land a.-d.")  verteilt: Um die Hauptstadt herum liegt sie bei über 20Einw./km² und in den weiteren Kreisen bei 15Einw. pro km² und weniger. Der südliche Zipfel (100km bis Grenze) Chakassiens ist praktisch unbewohnt, so auch ein kleinerer nördlicher Zipfel (50km bis Grenze).

Bevölkerung:

 

Die Volksgruppe der Chakassen macht nach verschiedenen Angaben 70.000 bis 80.000 Menschen aus. Davon leben um die 65.000 in der Republik Chakassien. Da aber die Republik nur über 5 Städte mit über 10.000 Einwohnern verfügt, die insgesamt 334.000 ausmachen, beträgt die Anzahl der chakassischen Bevölkerung in diesen 5 Städten nach obiger Tabelle nur 18.050 Menschen. 

Daher lebt die Mehrzahl der Chakassen (ca. 47.000) in ihrer Republik in Dörfern. Die Ballungszentren sind Askis (ca. 3600 Khak. + 2400 Rus.); die Dörfer des Rajons Askis; weiter in Taschtib (weniger Khak. hier) und in den Dörfern des Westes des  Ust-Abakans-Rajons. "Der Großteil der Chakassen zieht in den Sommermonaten mit ihren Jurten und Viehherden in die höhergelegenen Zonen der Steppengebiete und verbringt dort abseits der heißen Steppe den Sommer," wie die Tourgesellschaft, Chakassien-Info Berlin, beschreibt.

Anthropologisch sind die Chakassen Teil der mongoloid-zentralasiatischen Rasse. Sie haben dunkle Haut, nicht ausgesprochene Schlitzaugen, und beinahe schwarze Haare. Ihr Gesicht ist breit mit ausgeprägten Wangenknochen. Chakassen sind eher nicht von hohem Wuchs.

Laut Statistik sind die Hälfte der Chakassen mit Russen verheiratet. Als Begründung kann ihre ständig abnehmende Volksgröße sein.

Chakassen gelten als ein armes Volk, dem Aberglauben und der Trunksucht ergeben. Auf den Dörfern gibt es keine Industrie oder Wirtschaft oder Kolchose. Sie wohnen in ihren Holzhäusern, ziehen Gemüse in ihren Gärten und betreiben Viehzucht.

Die Sprache der Chakassen zählt zu der Uigurischen Gruppe der östlichen Turksprache oder Altaiisch uighurisch-tuküische Gruppe. Die Sprache wird auch Abakan-Türkisch, Abakan-Tatarisch oder Jenissej-Türkisch genannt. Die Struktur und das Grundvokabular hat türkisch-tatarischen Ursprung. Aber anders als andere Sprachen dieser Gruppe sind keine Lehnworte aus dem Arabischen oder Iranischen zu finden.

Die Verwandtschaft zur Turksprache hat 1995 eine Schule in Abakan hervorgebracht: "Khakass-Türkisches-Lyzeum", die von der Türkei aus gegründet wurde und gefördert wird. Dort werden wie in der öffentlichen Schule alle Fächer unterrichtet, aber mit besonderer Betonung auf der chakassischen, türkischen und englischen Sprache. (Offensichtliche Verbreitung des Islams ist nicht bekannt.) Eine gibt eine direkte Verwandtschaft zur tuwinischen Sprache. Chakassische Dialekte sind:  Sagai (Sagaj), Beltir, Kacha (Kaca), Kysil, Schor, Kamassia, wobei Sagai das führende Dialekt ist. Zwei Zeitungen gibt es in dieser Sprache, dazu werden 2 Stunden täglich TV-Programme in Chakassisch ausgestrahlt. Es gibt einige chakassische Literatur und auch Schriftsteller.

Man kann aber sagen, daß die chakassische Sprache viele Lehnwörter aus dem Russischen besitzt. Das kann ein Indikator dafür sein, daß Chakassisch sich zusehends verliert.  Jedenfalls schlägt sich das lt. dem Bibelübersetzer auch in seiner Arbeit neider nieder, wo viele geistliche Begriffe zum besseren Verständnis aus dem Russischen genommen werden wie z.B. das Wort "Sünde". Als ich das Zeugnis einer chakassischen Frau hörte, konnte ich viele russische Wörter heraushören. Es ist immer wieder die Spannung, ob man eher  Wörter nimmt die verständlich sind,  russische also, oder chakassische Begriffe die den Leuten mehr gefallen würden. Vom Übersetzer wird gefolgert, daß man den Chakassen auch Chakassisch lehren muß.

Es bleibt zu prüfen, wie viele Leute noch Chakassisch sprechen. Statistiken sagen, daß außer in ländlichen Gegenden alle Chakassen Russisch verstehen und fließend sprechen. Noch 1979 haben 81% der Chakassen Chakassisch als ihre Muttersprache angegeben. Diese Zahl dürfte in den letzten Jahre weiter gesunken sein.

Chakassin 

Meine Beobachtung in einem total chakassischen Dorf ist folgende:

Im kleinen Gottesdienst in Nischnaja Tjeja machte sich Alexej bewußt, daß manche seiner Zuhörer des Russischen nicht so mächtig sind. Er wählte einfache Ausdrücke und Sätze, fragte nach, ob er verstanden wurde und ließ sogar zwischendurch Kernsätze ins Chakassische übersetzen.

Aber trotz dieser natürlichen Rückentwicklung der chakassischen Sprache sind in ihrer Kultur als auch in der Sprache Anstrengungen zur Wiederbelebung zu erkennen: Laut der Broschüre würden 2/3 der chakassischen Kinder ihre Muttersprache in den Schulen lernen - so sieht es das staatliche Programm vor. In der Praxis mag das unterschiedlich aussehen: "Die Eltern wollen, daß ihre Kinder Chakassisch lernen, doch es gibt zu wenig Lehrer und keine Lehrbücher."

Die Chakassische Sprache wird in kyrillischen Buchstaben mit einer Erweiterung von 6 Buchstaben geschrieben. Als eine Frau hörte daß ich Deutscher sei, hat sie mir ein Schriftstück in Chakassisch vorgelegt und gesagt ich sollte lesen. Interessant war, daß deutschen Umlaute im Text zu finden waren, und ich ihre Aussprache richtig erkannte. Dann sagte sie, daß die Deutschen besser Chakassisch reden konnten als Russen.

Einige Teile der chakassischen Kultur sind bis heute erhalten. Das bekannteste Fest der Chakassen ist das "Tun-Pairam" Fest, das in der offenen Steppe am ersten Sonntag im Juni abgehalten wird. An diesem Tag werden sportliche Wettbewerbe ausgetragen: Bogenschießen, Ringen und Pferderennen. Alle diese Sportarten erinnern mich an die Verwandtschaft zum mongolischen Volk. Nach Beobachtungen wurde in diesem Jahr erstmals auch russische Sportarten mit einbezogen, wohl um auch Russen für dieses Fest zu interessieren.

auf der Tschatchans vor gespielt

    

Natürlich ist auch die chakassische Musik nicht unbedeutend. Kehlkopfgesang ist dem echten Chakassen möglich, dazu spielt er auf einer zweisaitigen "Gitarre" der Chomos, ähnlich der mongolischen Pferdekopfgeige. Chakassische Volksmusik hat für unsere westliche Ohren nicht unbedingt einen unmelodischen Klang wie z.B. die mongolische Musik; ein mir auf der Chomos vorgespieltes Stück hatte den Klang eines fröhlichen Liedes - auch in unserem Sinne.

Textfeld: Auf der Chomos vorgespielt
Die Frau von Alex, Ludmila, ist Dozentin für chakassische Musik auf der Musikhochschule in Abakan. Sie ist interessiert, auch christliche Lieder in chakassischer Sprache zu schreiben. Ludmila hat einen Studenten, der mir auf seiner Chomos einige chakassische Volkslieder und christliche Lieder vorspielte und vorsang. Weiter habe ich gehört, daß der Sprecher des chakassischen Jesus-Films auch ein chakassischer Sänger ist. Hier ist sicher ein gutes Potential vorhanden, christliche Lieder in chakassischer Mundart und Musik zu produzieren.

Im Dorf Werchnij Askis lebt Swerta. Sie reflektiert über ihre Kultur: "Ich glaube wir haben alles verloren. Ich wünschte singen zu können. Seit ich gläubig bin komme ich da weiter. In der Schule wurde Kultur nicht gelehrt."