| Die Religion | |
Die Chakassen wurden seit 1876 von der orthodoxen Kirche zwangschristianisiert. In Abakan sah ich zwei Neubauten einer orthodoxen Kirche. Inwieweit die orthodoxe Kirche heute noch Einfluß auf die chakassische Bevölkerung hat, kann ich nicht sagen. Unsere Gastwirtin, Tante Raja, im Dorf Nischnaja Tjeja, bekannte sich offen zur orthodoxen Kirche. Doch war in diesem Dorf keine Kapelle und sie kommt nur ca. 4 Mal im Jahr aus dem Dorf heraus. Fragt sich, wie orthodoxe Chakassen ihre Religionsausübung verstehen.
Chakassen sind aber traditionsgemäß Schamanisten. Viele sehen ein Wiederaufleben des Schamanismus, aber das scheint in der Bevölkerung nicht jeder automatisch zu begrüßen. Ich hörte in Nischnaja Tjeja von unserer Gastwirtin, dass es früher bessere Schamanen gegeben hat, die hätten noch was gekonnt. Natürlich hätte es auch schlechte, schwarze Schamanen gegeben. Auf meine Frage, ob es in diesem Dorf einen gäbe bejahte sie. Sie sei schon bei ihm gewesen, doch der hätte nicht viel gemacht (Handlesen) und ihr für ihre Krankheit ein paar "Medikamente" herausgesucht, mehr nicht.
Alexej, der für ein Jahr in Nischnaja Tjeja gewohnt hatte, erzählte mir, dass starker Okkultismus und Geisterglaube unter den Chakassen verbreitet ist. Wir kamen aber nicht zu irgendwelchen Einzelheiten. Das hängt wohl mit dem Wiederaufleben des alten Animismus zusammen. Auf dem Heimweg nach Abakan konnte ich (nur) einen Schamanenbaum sehen.