| Sprache | |
Nach dem Zerfall der UdSSR setzte in den neuen unabhängigen Staaten ein Prozess der nationalen Wiedergeburt ein. Dieser äußerte sich unter anderem in der Anerkennung der Nationalsprache als Amtssprachen und in der Überzeugung, daß man auch ohne Russisch auskommen könne. Diese Ablehnung des Russischen als Symbol für die imperiale Expansion erreichte ihren Höhepunkt 1992. Einige ihrer Vertreter ahnten zwar die negativen Folgen einer schnellen Verdrängung der russischen Sprache voraus, doch die nationale Euphorie dieser Zeit duldete keinen Widerspruch. Besonders in den baltischen Staaten wurden Beamte und Händler auf ihre Kenntnis der Nationalsprache hin geprüft und durften entweder im Amt bleiben oder mußten zuerst wieder die Schulbank drücken.
Es scheint sich mittlerweile jedoch wieder ein Gegentendenz abzuzeichnen, denn jetzt geht es um andere Probleme. Russisch setzte sich ohne irgendwelche Anstrengungen Rußlands wieder in fast allen GUS-Staaten durch. Vormals geschlossene russische Schulen wurden unter anderer Bezeichnung wieder geöffnet; sind doch technische und naturwissenschaftliche Lehrbücher in russischer Sprache verfaßt. (Das heutige technische Fachvokabular ist übrigens zu 70% aus dem Englischen übernommen.) Und die meisten Professoren und Ingenieure waren Russen - eine gute Bildung konnte man überhaupt nur in Russisch erhalten.
Auch die Burjaten haben diesen Kampf geführt, doch hatten sie innerhalb Rußland keine Wahl, zudem sind sie in ihrer Republik zahlenmäßig eine Minderheit. Allerdings ist eine größere Offenheit gegenüber der burjatischen Sprache zu erkennen.
6.1 Sprache und Schrift
Durch die frühen Jahre des Buddhismus in Burjatien "sind die buddhistischen Klöster Schulzentren für Lesen und Schreiben gewesen: in ihren Bibliotheken sind hunderte von Bänden aufbewahrt, die die Schriftzeichen der tibetischen und mongolischen Sprache haben. Durch diesen Beitrag der Schreibbüros der Tempel wurde die senkrechte Schrift überwiegend in Burjatien benutzt.
Dekoration auf dem Geserfest in U.U.
Tempelschulen entstanden, wo die begabtesten Burjaten, junge Männer, waren die Philosophie, Medizin und Astrologie in verschiedenen Fachbereichen studierten. In dem Tsugol Tempel wurde der erste "tsanit" Fachbereich in Burjatien errichtet, mit dem Ziel, das gründliche Studium von Religion und buddhistischer Philosophie zu fördern. Dieses Kloster hat eine Anzahl von hervorragenden Persönlichkeiten hervorgebracht, Dandarov, Choidanov, Dilghirov, Tugultorov und andere, die sich nicht darauf begrenzten strengen traditionellen Lamaismus zu praktizieren, sondern auch zur Verbreitung allgemeines Wisse beitrugen und das Lesen und Schreiben der alten einheimischen mongolischen Literatur zu förderten. In jedem Burjatischen Dorf waren Leute zu finden, die lesen und schreiben konnten. Die Fähigkeit lesen und schreiben zu können stattete die Gläubigen für den Zugang zu den philosophischen Schätzen ihres Erbes aus." So brachte der Buddhismus die vertikale Schriftform für die Burjaten.
Buriatin in Tracht
Das Burjatisch zählt zu den Mongolischen Sprachen der nördlichen Gruppe. Die eigensprachliche Bezeichnung ist ,,Buriad Chele". Das Burjatische gliedert sich in zahlreiche Dialekte, die aber nicht sehr stark voneinander abweichen.
1979 gaben 317.875 Personen oder 90,2% der Burjaten Burjatisch als ihre Muttersprache an (1970: 291.432 Personen oder 92,6%). Trotz dieser hohen Zahl verliert das Burjatische gegenüber dem Russischen immer mehr an Bedeutung, besonders bei der jüngeren Generation, die zumindest zweisprachig aufgewachsen ist. Viele Angehörige der älteren Generation sprechen jedoch ausschließlich Burjatisch.
Die Burjaten verwendeten ursprünglich die gleiche Schrift, die heute noch in der Inneren Mongolei im Gebrauch ist. Für die im 19. Jh. entstehenden Schulen wurden Lehrbücher in kyrillischer Schrift geschaffen. 1931 führte man im Rahmen der Pan-Mongolischen Bewegung das lateinische Alphabet ein, ersetzte es 1938 aber wieder durch das kyrillische. Zur Wiedergabe der burjatischen Sprache wurden diesem 3 Zeichen hinzugefügt.
1980 erschienen 28 monographische und 2 periodische Titel sowie 16 Zeitungen in Burjatisch. Heute stehen Namen wie „Buryatia“, „Buryand-Unen“ und „Molodezh Buryatia“ für burjatische Zeitungen. Neben ihnen gibt es noch verschiedene Zeitschriften, aber nur zwei von ihnen, „Baikal“ und „Lastochka“, werden in Russisch und Burjatisch veröffentlicht.
6.1.1 Drei Dialekte in ihren Bezirken (1989)
Die Bezirke sind nach ihren gemeinsamen Dialekt geordnet. - Diese Sprachgruppierung ist eine Information von Damba Abiduev, ein mongolisch/burjatischer Geschichtsforscher und Journalist einer Zeitung in burjatischer Sprache, ,,Buryad Unan," die in Burjatischen Dörfern veröffentlich wird wo Burjaten kein Russisch lesen können.
I) Der östliche Khorinski Dialekt
(Er ist der offizielle Schriftdialekt und wird in der Schule gelehrt.
Auch Missionare sollten diesen lernen und in Veranstaltungen gebrauchen.)
| Bezirk | Anzahl Burjaten | Bemerkung |
| El) Kizhinginski | 12,042 | |
| E2) Yeravenski | 10,993 | |
| E3) Ivolginski | 10,836 | |
| E4) Khorinski | 7,811 | |
| ES) Zaigrayeviski | 6,903 | |
| E6) Muhorsheberski | 5,852 | |
| E7) Bichurski | 3,554 | |
| E8) Aginski | 42,362 | Autonomer Bez. in Chitinskaya |
| E9) Chitinskaya Oblast | 24,263 | Einw. außerhlb von Aginski |
| Summe 1989 | 124,615 |
II) Der westliche Irkutsk Dialekt
| Bezirk | Anzahl Burjaten | Bemerkung |
| WI) Zakamenski | 19,738 | |
| W2) Tunkinski | 16,115 | |
| W3) Kuruinkan | 12,000 | |
| W4) Barguzinski | 7,001 | |
| WS) Okinski | 4,002 | |
| W6) Kabanski | 3,721 | |
| W7) Ust-Ordinski | 49,298 | Autonomer Bez. in Irkutskaya Ob. |
| W8) Irkutskaya Oblast | 28,032 | Einw. außerhalb Ust-Ordinski |
| Summe 1989 | 139,907 |
III) Der östliche Selengenski Dialekt
(Nahe dem Monolischen, daher auch "Songol" genannt.)
| Bezirk | Anzahl Burjaten | Bemerkung |
| S1) Djidinski | 15,070 | |
| S2) Selengeski | 13,174 | |
| S3) Kyakhtinski | 10,001 | |
| Summe 1989 | 38,245 |
6.1.2 Burjatische Sprachstatistik
| Einwohner in Burjatien | Anteil in % | |
| Russen | 726,200 | 70 % |
| Burjaten | 249,500 | 24 % |
| Andere | 62,500 | 6 % |
| Summe | 1,038,200 | 100 % |
| Anzahl der Burjaten | nur Russisch sprechend | Burjatisch sprechend | |||
| Anzahl | % | Anzahl | % | ||
| 1970 | 178,900 | 8,800 | 4,9 | 169,800 | 95,1 |
| 1979 | 206,900 | 14,300 | 6,9 | 192,600 | 93,1 |
| 1989 | 249,500 | 26,300 | 10,6 | 223,100 | 89,4 |
| davon in Ulan | |||||
| Ude78.700 | 17.000 | 21,7 | 61.600 | 78,3 | |
| Sprachgebrauch 1994 | Russisch [%] | Burjatisch [% |
| Zu Hause | 31,8 | 68,2 |
| In der Schule | 70,8 | 29,2 |
| Am Arbeitsplatz | 71,4 | 28,6 |
6.1.3 Johannes 3 Vers 16
Altmongolische Schriftform
Kyrillische Schriftform mongolisch
![]()
Kyrillische Schriftform burjatisch